Am 27. April ist die Hannover Messe Industrie (HMI) 2018 zu Ende gegangen. Erneut war die Digitalisierung mit dem Leitthema „Integrated Industry“ ein wichtiger Schwerpunkt. Boris Heuer, Geschäftsführer von Beeware, hat sich auf der HMI umgesehen und gibt hier seine persönlichen Eindrücke zu zentralen Trendthemen wieder.

 

Die HMI hat gezeigt: an der Digitalisierung kommt kein Industriebetrieb vorbei. In jeder Ecke wurde über die neue industrielle Revolution durch digitale Technologien, Innovationen und Methoden gesprochen. Die HMI ist ideal, um sich ein Bild vom Fortschritt der Branche zu machen. Dabei haben sich zwei wesentliche Eindrücke festgesetzt: Zum einen wurde in den letzten Jahren viel über den Einsatz von Virtual, Mixed oder Augmented Reality in der Produktion, Instandhaltung oder Logistik berichtet und diskutiert. Der übergeordnete Begriff lautet hier Cross oder auch X Reality und beschreibt die Kombination digitaler und biologischer Wahrnehmung. Verschiedene Unternehmen starteten Pilotprojekte und auf der Entwicklung von Microsofts HoloLens lastet nach wie vor die Hoffnung Vieler für eine industrietaugliche Umsetzung des Trends. Auf der HMI hat sich gezeigt, dass bisher nur wenige Unternehmen bereits handfeste Erfahrungen mit Cross Reality gemacht haben. Unterm Strich scheint die Technologie noch nicht gänzlich ausgereift.

 

Cross Reality ist noch nicht reif

Der vom Research-Spezialist Gartner veröffentliche „Hype Cycle for Emerging Technologies“ aus dem letzten Jahr bestätigt diesen Eindruck. Dort ist das Thema Virtual Reality nach den überzogenen Hype-Erwartungen aus dem Tal der Ernüchterung gekommen und befindet sich auf der Stufe steigender Erleuchtung. Bedeutet: Die Erwartungen sind auf dem Boden der Tatsachen angekommen. Das erlaubt nun einen nüchternen Blick auf die Technologie und ihre Weiterentwicklung. Gartner prognostizierte im letzten Jahr, dass diese erst zwischen 2019 und 2023 das „Plateau of Productivity“ erreicht. Für Augmented Reality sieht es hier noch düsterer aus: Die dafür notwendigen Technologien werden das Plateau erst frühestens ab 2022 erreichen. Der Erfolg von Cross Reality hängt aber nicht an der Technik allein. Selbst auf der HMI scheiterten Vorführungen für Virtual oder Augmented Reality an der fehlenden Infrastruktur. Sprich: Das WLAN war nicht verfügbar, zu schwach oder der Akku des Gerätes war erschöpft. Eine passende Infrastruktur ist ein wesentlicher Baustein, den Unternehmen auch in ihren realen Projekten bedenken müssen. Ohne die richtigen Rahmenbedingungen kann die Technik noch so gut sein, aber ihr Potenzial nicht entfalten.

 

IoT-Plattformen sind Insellösungen

Ein weiteres zentrales Thema sind die digitalen Plattformen für das Industrial Internet of Things (IIoT). Sie sollen als Träger der Digitalisierung dienen und vor allem die intelligente Vernetzung verschiedener Systeme, Anlagen und Anwendungen gewährleisten. Gartner weist für IoT-Plattformen eine ähnliche Zeitschiene wie für Virtual Reality aus. Allerdings wird die Entwicklung hier schneller voranschreiten, obwohl der Trend erst den Hype-Status überwindet. Auf der HMI präsentierte eine Vielzahl von Unternehmen ihre Idee einer IoT-Plattform. Doch ein Großteil davon stellt Insellösungen dar, die statt eine offene Vernetzung zu ermöglichen, proprietär ausgelegt sind. Dies schränkt Unternehmen ein. Um genau das zu verhindern, braucht es Lösungen wie SODALIS, die es ermöglichen, IoT-Plattformen zu vernetzen – damit IoT am Ende nicht für „Island of Technology“ steht.

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